Die Geschichte des Gins


Wie bei den meisten Spirituosen liegt der Ursprung des Gins in der Medizin. Wacholder wurde in Europa schon seit der Steinzeit gegessen. Seit dem Mittelalter schreibt man ihm eine medizinische Wirkung zu. Alkohol - der aus der Vergärung von Zucker in Früchten durch Hefen entsteht – wird wohl schon seit tausenden von Jahren getrunken. Der Prozess der Destillation, durch die der Alkoholgehalt von 7% auf über 80% gesteigert werden kann, wurde in Europe schrittweise seit dem 12. Jahrhundert entwickelt.


Genever -  VOrgänger des Gins

Bombay war der erste Hersteller von modernem Gin

Als Vorgänger des Gins gilt der Genever‘, der seit dem 16. Jahrhunderts in den Niederlanden hergestellt und getrunken wurde. Es handelte sich anfangs um eine Medizin: Stoffe aus dem Wacholder, denen eine heilende Wirkung zugesprochen wurde, werden durch den Alkohol besser gelöst, als durch Wasser. Genever war ein relativ leicht, schnell und günstig herzustellendes Produkt. Einem alkoholischen Destillat aus vergorenem Gersten- oder Roggenmalz wird Wacholder zugesetzt.


VOM Arzneimittel ZUR Spirituose...

Bombay war der erste Hersteller von modernem Gin

Der Genever hatte vielen anderen alkoholischen Getränken aus dieser Zeit etwas voraus: die damaligen Verfahren zur Alkoholdestillation brachten sehr übelriechende, unangenehme und scharfe alkoholische Getränke hervor. Wacholder, Anis, Kümmel und Koriander überdeckten die übel riechenden Fuselalkoholaromen und machten das Getränk angenehmer und leichter trinkbar. Das ist auch der Grund, weswegen die ‚wohltuende‘ Wirkung von Genever immer mehr von Gesunden genossen wurde. Aus einem Arzneimittel wurde eine der ersten Spirituosen, die von der Bevölkerung in großen Mengen konsumiert wurde. Der noch heute existierende Hersteller ‚Bols‘ war 1575 das erste Unternehmen, dass im kommerziellen Stil Alkohol brannte, vor allem Genever.


‚sich Mut antrinken‘

Im Rahmen des Spanisch-Niederländischen Krieges von 1568 bis 1648 (auch Achtzigjähriger Krieg genannt) lernten englische Soldaten und vor allem die höheren Militärs den Genever in den Niederlanden kennen. Die niederländischen Offiziere gaben Ihren Soldaten vor der Schlacht eine ordentliche Portion Genever. Durch das hochprozentige Getränk motiviert, stürmten die Niederländer auf das Schlachtfeld und errangen viele Siege, auch wenn sie sich in Unterzahl befanden. Daher stammt auch das Sprichwort ‚sich Mut antrinken‘. Die englischen Militärs berichteten der Krone und der Regierung von diesem wirkungsvollen Getränk. Da es genügend Getreide und Wacholder in England gab, wurde eine Ginproduktion aufgebaut und gefördert. Der Gin wurde bald auch dem Militär und vor allem der Marine zur Verfügung gestellt.

Der Name ‚Genever‘ geht auf die französische Bezeichnung für Wacholder ‚genièvre‘ zurück, was an den botanischen Namen angelehnt ist: ‚juniperus‘. Zum ‚Gin‘ wurde ‚Genever‘ erst in England, wohl weil die Engländer den Namen nicht aussprechen konnten und ‚Gin‘ leichter über die Lippen ging, in jeder Hinsicht. Das erste Mal wurde der Begriff ‚Gin‘ 1714 dokumentiert.


Bombay war der erste Hersteller von modernem Gin

1688 kam der Genever mit Wilhelm III. von Oranien dann endgültig nach England, der dort die englische Prinzessin heiratete. Er war großer Gin Fan und förderte die englische Gin-Produktion weiter. Zum wirklichen Durchbruch für den Gin kam es ab 1702 unter Königin Anne: sie hatte eine große Abneigung gegen die katholischen Franzosen und intensivierte eine Anti-Frankreich-Kampagne, während der Cognac und Armagnac (die bis dahin dominierenden hochprozentigen alkoholischen Getränke) stark besteuert wurden. Im Gegenzug erlaubte Sie das lizenzfreie Brennen von Gin – um den Import der französischen Getränke weiter zu reduzieren.


Durch diese Maßnahmen wurde Gin extrem günstig und für breite Bevölkerungsschichten verfügbar, was leider zu einem sehr dunklen Kapitel in der Englischen Geschichte führte: der ‚Gin Craze‘ (Gin-Epidemie). Die Beliebtheit und günstigen Preise des Gins führten zu einem erheblichen Wachstum der Zahl von Alkoholabhängigen und durch die Sucht verarmten Menschen. In London war die Zahl der Alkoholtoten zeitweise höher, als die Geburtenrate. 1743 wurden in Großbritannien legal 91 Millionen Liter Gin hergestellt, darüber hinaus große Mengen schwarz gebrannten Gins. Das meiste davon wurde von den nur 500.000 Einwohnern Londons konsumiert.


Das Ende der Gin-Epidemie

1751 gelang es dann endlich ein wirkungsvolles Gesetz gegen die Gin-Epidemie zu erlassen, das hohe Steuern auf Gin einführte und den Verkauf von Gin an lizensierte Händler reglementierte. Vorübergehend wurde die Gin-Produktion aus Getreide sogar komplett verbot. Während es 1754 noch 1500 kleine Gin Brennereien gab, waren es 1794 nur noch 40. Neben einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität eines großen Teils der Bevölkerung hatte dieses Gesetz eine weitere positive Wirkung: durch die Reglementierungen wurde die Qualität des Gins erheblich besser. Er wurde einerseits wieder zu einem Getränk der höheren Gesellschaftsschichten und der Krone, andererseits wurde er auch im Ausland beliebter.

Zum weltweiten Erfolg des Gins hat vor allem die britische Navy beigetragen. Die Offiziere erhielten eine feste Ration Gin, den sie gerne als Mixgetränk konsumierten und über die Weltmeere in die ganze Welt brachten.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Produktion von Gin weiter industrialisiert und professionalisiert. Neue Gin Destillerien wurden gegründet, die mit neuen Rezepten und Produktionsverfahren experimentierten. Das 1826 entwickelten Brennverfahren Patent Still / Column Still und die 1831 entwickelte Coffey Still ermöglichten das kontinuierliche Brennen von Getreidedestillat – bisher musste für jeden Brennvorgang eine Brennblase mit der Maische gefüllt und danach wieder geleert und gereinigt werden, ein aufwendiger und teurer Prozess. Das neue Verfahren ermöglichte reineren und günstigeren Basisalkohol für die Ginproduktion.


Bar mit verschiedenen Gin im Angebot

Lange Zeit war Gin in aller erster Linie ein Getränk, dass in Großbritannien konsumiert wurde. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen von Saloons und später Bars, wuchs die Rolle des Gins als wichtiges Getränk in den USA. Anfang des 20. Jahrhunderts – als die Bars auch in Europa immer populärer wurden – spielte Gin in immer mehr Ländern eine zentrale Rolle. Insbesondere für die immer beliebteren Cocktails wurde vor allem Gin verwendet.


Prohibition in den USA

Die von 1920 – 1933 andauernde Prohibition in den USA – während der in den Vereinigten Staaten keinerlei Alkohol produziert und verkauft werden durfte, führte einerseits zu einem Einbruch in der Gin Industrie, andererseits auch zu einer wachsenden Vielzahl von Gin. Viele haben in dieser Zeit selber Gin hergestellt, teilweise in ihren Badewannen, und dabei alle ihnen zur Verfügung stehenden Pflanzen, Früchte, Beeren, Gewürze und Kräuter verwendet, um die über riechenden Fuselalkohole des minderwertigen Alkohols zu überdecken.

Im 20. Jahrhundert wurde der Gin unter anderem als Lieblingsgetränk etlicher Filmstars aus Hollywood bekannt und beliebt. Unter andrem spielte Gin eine Rolle in ‚Casablanca‘, ‚The Sorrows of Gin‘ und ‚A Single Man‘. Nicht zuletzt machte James Bond den Gin berühmt, den in seinen ersten Filmen war Gin Hauptbestandteil seines Martinis – geschüttelt und nicht gerührt – nicht wie heute ein Vodka.

Beliebt war Gin auch bei Künstlern wie Hemingway und Hitchcock sowie Politikern wie den amerikanischen Präsidenten Roosevelt. In den 20er Jahren gab es trotz der Prohibition in den USA einen der vielen Boom Phasen des Gin, unter anderem ausgelöst durch das Buch ‚Der große Gatsby‘ von Scott Fitzgerald. Der Gin gehörte in den 20er Jahren in Europa ebenso zum Lebensgefühl wie Charleston und Jazz.

Bar mit verschiedenen Gin im Angebot

Während des Zweiten Weltkrieges ging die Produktion und der Konsum von Gin naturgemäß stark zurück. Da Gin allerdings sehr schnell hergestellt werden kann – im Gegensatz zu Whisky muss er nicht lange lagern – wurde er bereits seit Anfang der 50er Jahre wieder in großen Mengen hergestellt. Zum Erfolg des Gins zu dieser Zeit trug vor allem sein regelmäßiges Erscheinen in Hollywood Filmen bei. Allerdings wurde der Gin in den 70er Jahren vom Vodka verdrängt. Da dieser geschmacksneutraler ist, wurde er zur Lieblingszutat von Cocktails und verdrängte damit den Gin. Die Gin Produktion fristete daraufhin für über zwei Jahrzehnte ein Nischendasein in den Bars und im Handel.


Bombay war der erste Hersteller von modernem Gin

Der Beginn des neuen, heute nach anhaltenden Gin Booms legte die Firma Bombay Distillers. 1988 produzierte sie einen leichteren, weniger nach Wacholder schmeckenden Gin in einer modernen Flasche: den Bombay Sapphire Dry London Gin. Es wurden extra für diesen Gin verschiedenen Cocktail Rezepte entwickelt und eine breit angelegte Werbekampagne aufgelegt. Der neue Gin-Hype wurde auch durch die Vorstellung des Hendrick’s Gin mit Gurkenaroma unterstützt, der um die Jahrtausendwende auf den Markt kam. Darüber hinaus investierten einige weitere Gin Produzenten viel Geld in neue Gins, Gin-Cocktails und ihre Vermarktung. Seitdem entstanden immer neue, kleine Gin Produzenten und Gin Marken. Hilfreich für den Gin-Boom ist die vergleichsweise schnelle und günstige Produktion des Gins, der auch kleinen Herstellern erlaubt in den Markt einzutreten und den großen Produzenten umfangreiche Marketingmaßnahmen ermöglicht.


Diese kompakte Zusammenfassung der Gin Geschichte zeigt, durch wie viele Höhen und Tiefen der Gin als eine der wichtigsten Spirituosen über die Jahrhunderte gegangen ist. Heute ist der Gin mehr im Trend als je zuvor – es eröffnen fast täglich neue Gin Brennereien, mit immer neuen, faszinierenden Gin Rezepten.


Wenn Du mehr über die Gin Geschichte erfahren möchtest, empfehle ich Dir die folgenden Bücher, aus denen ein großer Teil der Informationen dieses Blog Eintrags stammt:

  • Karl Rudolf (2017): Gin – Alles über Geschichte, Herstellung, Sorten und Marken; atVerlag.

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